Im Flieger, der uns zur Weltreise bringt
Wir atmen tief aus. Lehnen uns zurück. Der Puls verlangsamt sich. Wir sitzen tatsächlich im Flieger, der uns auf die Weltreise bringt.
Leer an Gefühlen. Erleichtert, dass es endlich soweit ist.
In den letzten Tagen sind wir oft gefragt worden, ob wir aufgeregt sind und ob wir uns freuen. Obwohl man den Moment so sehr herbeisehnt und die Tage zählt, bis es endlich los geht, können wir beide nicht gerade sagen, dass wir uns eine Woche vorher unendlich gefreut haben. Panik machte sich breit und der Zweifel, ob dies die richtige Entscheidung war, nagte beständig an uns. Und trotzdem sind wir hier. Obwohl wir Angst haben. Obwohl wir voller Zweifel sind. Wir wissen nicht, wo wir in zwei Monaten sein werden oder ob uns das lange unterwegs sein überhaupt gefällt. Was, wenn Romans Zahn nicht besser wird und wir deswegen die Reise unterbrechen müssen?
Ja, auch wir wissen, dass wir jederzeit wieder zurück nach Hause können. Und trotzdem fühlt es sich anders an.
Im Moment können wir noch gar nicht begreifen, was es bedeutet ein halbes Jahr nicht zuhause zu sein. Nicht arbeiten zu müssen und keine Verpflichtungen zu haben. Wir sind frei. Und diese Freiheit macht einfach Angst.
Viele, denen wir von unseren Plänen erzählt haben, sagten, dass sie nicht so mutig wären wie wir. Sind wir mutig? Ich habe es immer abgetan. Aber Mut bedeutet Angst zu haben und es trotzdem zu tun.
Gleichzeitig wird einem bei einem Abschied auf Zeit bewusst wie reich man eigentlich ist. Man weiß plötzlich alles viel mehr zu schätzen. Der Besuch der lieben Verwandten, die Freunde, die einen bei allem unterstützen, auch wenn man sich mal nicht meldet oder das Schnitzel, das einfach fantastisch schmeckt. Man nimmt das eigene Haus anders wahr. Sitzt bewusst auf dem Sofa und genießt es dort zu sein. Kuschelt sich in seinem Bett ein. Noch einmal in der eigenen Badewanne bei Kerzenschein liegen, bevor es in die Welt geht.
Und dann sind da die Menschen um einen herum. Kollegen, die bereit sind ein halbes Jahr unsere Arbeit zu übernehmen. Familie die sich weiter um unser Haus kümmert und den Garten in Ordnung hält. Menschen, denen wir sehr fehlen werden und die wir sehr vermissen werden.
So viele liebe Worte und nette Gesten haben uns kurz vor der Reise erreicht. Wir haben soviel Liebe in unterschiedlicher Weise erfahren. Dafür sind wir unendlich dankbar.
Ab heute lernen wir loszulassen. Frei zu sein. Und deswegen wissen wir auch: Es wird nicht alles gut.
Es ist alles gut, genauso wie es ist.
Unser Abenteuer wartet. Und wir sind bereit.
