Unsere ersten Tage auf Weltreise
Istanbul, die Stadt der zwei Kontinente. Geschichtsträchtig auf der einen Seite, chaotisch auf der anderen Seite. Start und Ende zugleich.
Istanbul, der Ort, an dem unsere Weltreise beginnt, begleitet von unseren zwei lieben Freundinnen Angelina und Madelin.
Für uns alle ist es der erste Besuch in dieser sagenumwobenen Stadt. Normalerweise finden wir es easy sich im öffentlichen Nahverkehr zurecht zu finden. In Istanbul haben wir so unsere Probleme, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Städtetrip ziehen. Die Anreise vom Flughafen zu unserer Unterkunft entpuppt sich als Hürde, die wir fast nicht überwunden bekommen.
45 Minuten verzweifeln wir an den vorhandenen Ticketschaltern, bis wir den Versuch wagen und uns eine Istanbul Card kaufen. Das ist auch des Rätsels Lösung: Um sich in Istanbul mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen benötigt man eine Istanbul Card. Auf diese kann man sich Guthaben laden und damit dann die Öffis nutzen.
Nach der langen Anreise-Odyssee wollen wir eigentlich nur noch schnell was essen und dann ins Bett. Unser Gastgeber hat uns dazu die Nevizade-Straße empfohlen. Man findet dort einige nette Lokale und Bars. Am heutigen Abend wimmelt es in der Gasse nur so von Fußballfans in gelb und rot, den Farben des Fußballvereins Galatasaray Istanbul. Der größte Club der Stadt spielt gegen den englischen Meister aus Liverpool in der Vorrunde der Champions League. Durch die euphorische Stimmung angesteckt bleiben wir länger als ursprünglich geplant. Alle fiebern mit und auch wir starren auf einen der vielen Bildschirme um uns herum. Kurz nach Mitternacht endet das Spiel mit einem hauchdünnen 1:0. Die Gasse bebt. Menschen jubeln, singen und umarmen sich. Bier fliegt durch die Luft. Das muss Istanbul sein. Das ist nun jedem von uns klar.
Für mich ist die Hagia Sophia der Inbegriff von Istanbul. In unserer Vorbereitung haben wir uns oft ausgemalt, wie es sich anfühlt, genau hier zu sein. Und nun stehe ich direkt vor ihr. Wie mögen sich die Menschen vor rund 1.500 Jahren gefühlt haben, als sie, wie ich vor diesem Bauwerk gestanden haben. Tatsächlich sieht die Hagia Sophia auf den ersten Blick eher unscheinbar und wenig prächtig aus, doch ihre Bedeutung für so viele Menschen, damals wie heute, lässt sie für mich in einem ganz besonderen Glanz erscheinen. Einst als Kirche erbaut, wurde sie den Byzantinern durch die Osmanen entrissen und zu einer Moschee umfunktioniert. Nach einer Unterbrechung als Museum, dient sie seit 2020 wieder als Moschee. Im Inneren des Gotteshauses sind die meisten christlichen Abbilde von islamischen Schriftzeichen überdeckt worden. Die wenigen verbliebenen Bildnisse der christlichen Epoche verfallen zunehmend. Nichtsdestotrotz spürt man in jedem Winkel der Hagia Sophia ihre lange und symbolkräftige Geschichte. Ein einzigartiges Bauwerk.
Direkt gegenüber ragen weiß-blaue Kuppeldächer gen Himmel. Die Sultanahmet-Moschee, besser bekannt als die „blaue Moschee“, tischt dagegen die volle islamische Eleganz auf. Umgeben von riesigen Säulen und wunderschönen Malereien fühlt man sich im Innern plötzlich klein und demütig.
Das Entschleunigen müssen wir alle noch lernen. Städtetrips verleiten oftmals dazu, viele Sehenswürdigkeit in kürzester Zeit abzuklappern. So können auch wir uns nicht davon lösen und machen uns noch auf den Weg die beiden bekannteren Basare der Stadt, dem Großen Basar und dem Ägyptischen Basar, einen Besuch abzustatten. Wir lieben die wuseligen und chaotischen Souks aus Marokko. Die kleinen, mit Schaufenstern versehenen, Verkaufsräume hier können uns nicht überzeugen.
Unser letzter Stop an diesem Tag ist der Galataturm. In den Gassen rund um diesen ehemaligen Wachturm haben sich viele Restaurants und Cafes, die sowohl Anziehungspunkt für Einheimische als auch Touristen sind, angesiedelt. Dies führt zu einem bunten Treiben auf der, für die vielen Menschen, viel zu kleinen Gasse. Es ist laut und warm. Im „Maddies“ lassen wir den Tag ausklingen. Dieses Lokal kann von Kaffee, über Ravioli und Limo alles bieten, was unser Herz nach einem langen Sightseeing-Tag begehrt.
So besonders wie Istanbul ist, sind auch seine Sehenswürdigkeiten. Diese befinden sich nicht nur über der Erde, sondern auch darunter. Aufgeregt wie ein kleines Kind, dass auf den Weihnachtsbaum voller Geschenke blickt, steige ich die Stufen zur Basilika Zisterne hinunter. Modrig feuchter Geruch steigt mir in die Nase. Doch gleich zu Beginn bietet sich ein einzigartiges Schauspiel aus Wasser, Licht und jahrtausendealter Architektur. 336 Marmorsäulen tragen die einst größte Wasserversorgung der Metropole. Dabei wurde keine einzige Säule für die Zisterne angefertigt. Sie stammen alle aus Rückbauten anderer Gebäude. So hat jede Säule für sich ihre eigene Geschichte. Unvorstellbar welche Gefühle dieser Raum für die Menschen der Antike und geschichtliche Entdecker ausgelöst haben muss. Ein magischer und mystischer Ort zugleich. Ein absoluter Gänsehautmoment an den ich mich gerne zurück erinnern werde.
85% der Einwohner leben auf der europäischen Seite der Stadt. Auch die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich hier. Trotzdem sollte man es nicht versäumen, den Bosporus zu überqueren und die asiatische Seite Istanbuls zu erkunden. Das Highlight dort ist für uns ein Kurs in dem man die Möglichkeit hat seinen eigenen türkischen Mosaik-Lampenschirm zu gestalten. Der Kurs findet in einer kleinen gemütlichen Werkstatt statt. Nach all der Hektik des Sightseeing-Marathons ist das kreative Gestalten ein abwechslungsreiches und individuelles Erlebnis. Die Freude über das besondere Souvenir ist groß.
Nach dem Lampenkurs schlendern wir noch ein wenig am Bosporus entlang und kehren schließlich in ein Cafe ein, als es zu regnen beginnt. Während alle anderen sich auf dem stillen Örtchen befinden wird mir das seltene Glück zu Teil Delfine im Bosporus beobachten zu können.
Unseren letzten gemeinsamen Abend lassen wir bei einer Bosporus-Kreuzfahrt ausklingen.
Und dann sind auch fünf wunderschöne Tage schon vorbei. Heute reisen Angelina und Madelin ab. Mir war bereits vorher bewusst, wie sehr mich dieser Abschied schmerzen wird. Doch, dass er mich so sehr mitnehmen wird, hätte ich nicht gedacht. Mit den beiden wird das letzte Stück Heimat für die nächsten sechs Monate gehen. Allen fließen heiße Tränen über die Wangen, während wir uns alle nochmal in den Arm nehmen. Auf einmal geht alles ganz schnell und weg sind sie. Lediglich Angelinas Worte „Ab jetzt ist es euer Abenteuer“ hallt uns noch in den Ohren.
