ups-und-weg

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Ab jetzt ist es unser Abenteuer

Unsere ersten Tage in Taschkent

Nur zu zweit landen wir auf dem überschaubaren Flughafen in Taschkent. Der Abschied unserer Freunde steckt uns noch in den Knochen. Die Worte von Angelina: „Ab jetzt ist es euer Abenteuer“ hallen noch immer in unseren Ohren und begleiten uns auch die nächsten Tage.

Und nun stehen wir hier. In Usbekistans Hauptstadt. Als wir zuhause erzählten, dass wir nach Usbekistan wollen blickten wir in viele fragende Gesichter. Wo liegt Usbekistan? Ist das eine Stadt oder ein Land und ist es dort nicht eigentlich gefährlich? Warum wollt ihr überhaupt dahin?
Die Frage stellt sich allerdings immer und bei jedem, der ein Urlaubsziel raussucht. Wieso fliegst du nach Mallorca? Wenn wir die Frage, warum wir nach Usbekistan wollen gestellt bekamen, antworteten wir oft mit einem Schulterzucken und einem: „Wieso nicht.“ Wir hatten irgendwann mal Bilder von Usbekistan und dessen wunderschönen Gebäuden gesehen und beschlossen, da wollen wir auch hin. Wir mögen muslimische Länder und es interessiert uns, wie die Zeit der Sowjetunion die Menschen beeinflusste.

Doch unser erster Eindruck: Es ist ganz anders als erwartet.

Die Stadt zeigt sich als moderne Großstadt. Überall wird gebaut. Auf der Straße findet man kaum Müll. Ständig gibt es Menschen, die Müll und Blätter zusammenfegen. Auch ist Taschkent viel grüner als wir es erwartet hätten. Fast überall gibt es Rasenflächen mit Spränkelanlagen oder Bäume, die am Straßenrand Schatten spenden.

Die Menschen wirken auf uns leider distanziert und wenig herzlich. Viele wirken distanziert und lächeln wenig. Für uns gibt es große Verständigungsprobleme, weil nur wenige ein paar Brocken English sprechen und wir weder Russisch noch Usbekisch. Doch mit Händen und Füßen und wilder Pantomime können wir uns immer weiterhelfen.

Unsere Wohnung ist super schön eingerichtet und die zwei Besitzerinnen herzlich und hilfsbereit. Es fällt uns leicht uns wohlzufühlen, insbesondere im bequemen Bett.

Wir haben es uns an unserem ersten Abend gerade gemütlich gemacht, als auf einmal das ganze Bett wackelt. Ich versuche es zu ignorieren,denn ich denke, dass Roman mit seinem Fuß ans Bettgestell tippt. Bis er mich darauf aufmerksam macht, dass der Kronleuchter über uns und die Pflanze neben mir ebenfalls wackelt. Erdbeben. Panisch springen wir auf, ziehen uns an und hechten nach draußen. Da sitzen wir auf der Bank. Zitternd. Aber außer uns rührt sich niemand. Google sagt es gab ein Erdbeben der Stärke 5,4 an der Kasachischen Grenze. Wir wissen nicht was wir tun sollen. Irgendwann beschließen wir wieder rein zu gehen. Unser Nachbar – ganz komischer Typ übrigens- kommt zum selben Zeitpunkt an der Haustür an und begleitet uns ins Haus. Wir fragen ihn nach dem Erdbeben. Er lacht uns aus und verschwindet ohne Kommentar in seine Wohnung. Kurz darauf hören wir ihn mit seinen Mitbewohnern in seiner Wohnung lachen. War wohl nicht so schlimm dieses Erdbeben.

Am nächsten Tag machen wir uns auf zum nächst gelegenen Dream-Park. Dieser hat zwei künstlich angelegte Seen, jede Menge Kitsch und einen kleinen Freizeitpark. Es gibt sogar ein gigantisches Riesenrad, mit dem man einen guten Überblick über die Stadt bekommt. Das Cafe, in dem wir saßen war im französischen Stil hergerichtet. Französische Musik dudelte ununterbrochen aus den Lautsprechern.

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Störche im Dream Park
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Karussell im Dream Park

Ein echtes Highlight sind die U-Bahnen Taschkents. Jede U-Bahnstation ist individuell verziert. Am liebsten würden wir an jeder kurz aussteigen und sie uns angucken. Wäre da nicht das kleine Problemchen mit dem Platz in der U-Bahn. Diese sind nämlich zu gefühlt jeder Tages- und Nachtzeit, in der wir sie betreten so gestopft voll, dass umfallen praktisch unmöglich ist. Hier gilt: Ellebogen raus und los, denn die Usbeken haben die Angewohnheit gerne mal vorzudrängeln. Um dieses Gerangel zu vermeiden, belassen wir es auch dabei uns die Stationen anzusehen, an denen wir auch tatsächlich ein- und aussteigen müssen.

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Decke in der U-Bahn Alisher Navoiy
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U-Bahn Station Alisher Navoiy
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U-Bahn Station Yunus Rajabiy

Im großen Basar, der mit einer Kuppel überdacht ist, geht es schon ruhiger zu. Hier reihen sich allerlei Fleischverkäufer, darunter auch Pferdefleisch, an sauer eingelegtes Gemüse und Milcherzeugnisse an. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig.
Im oberen Stockwerk findet man Nüsse, Gewürze und getrocknetes Obst. Wir schlagen hier auch direkt zu und kaufen Süßigkeiten, aus undefinierbarem Material und Macadamianüsse, die wir später essen wollen. Beim Versuch die Nüsse essen, scheitern wir an der harten Schale. Egal, was wir probieren, wir schaffen es nicht sie aufzubekommen.

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Chorsu Bazar
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Trockenobst und Nüsse
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überall frisches Gemüse
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Blick von oben in die Markthalle

Groß und imposant strahlt uns die Ko ´Kaldosh Medrese bereits von der Straße entgegen. Es ist unsere erste Begegnung mit der klassischen usbekischen Architektur. Unsere Augen leuchten. In der Koranschule wird immer noch gelehrt. Zum Mittagsgebet, sieht man Schüler zur nahe gelegenen Moschee eilen.

Der Hasrati-Imam Komplex ist ein Stück außerhalb. Den Kran sieht man schon von weitem. Trotzdem habe ich mit dem Anblick der sich mir bietet nicht gerechnet. Ein riesiger Platz. Rechts und links von ihm befinden sich kleinere Gebäude. Direkt vor mir befindet sich eine riesige Moschee. Obwohl hier überall noch gebaut wird, ist der Anblick überwältigend. Hoch thront die blaue Kuppel über uns. Man atmet den Staub der Baustelle ein. Haben sich so die alten Karawanen gefühlt, als sie die Stadt erreichten?
Auf dem Heimweg erklärt mir der Yandex Fahrer, dass der Komplex neu gebaut wurde. Extra für die Touristen. Schade. Schön anzusehen, ist es aber trotzdem.

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Ko´Kaldosh Medrese
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Hasrati-Imam Komplex
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Hasrati-Imam Komplex

Mein persönliches Highlight ist aber die Magic City. Es ist unwirklich hier zu stehen. Besonders im Dunkeln erstrahlt hier alles. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst gucken soll. Überall gibt es etwas zu sehen. Wir spazieren „Unter den Linden“ vorbei am Big Ben, mitten durch Prag hindurch bis zum Mittelpunkt: einem Schloss, dass dem Disneyschloss sehr ähnelt.Auch die Wassershow, die direkt davor stattfindet kann mit der des Bellagio in Las Vegas durchaus mithalten.
Mitten auf dem Gelände befindet sich das angeblich größte Aquarium Zentralasiens. Roman beschließt kurzerhand, dass er Aquarien liebt und bittet mich mit seinem Hundeblick, dass wir hinein gehen. Machen wir natürlich. Roman ist glücklich wie ein kleines Kind und ich bin es auch.

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Schloss mit Wassershow
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Straße in der Magic City
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Blick auf Big Ben

An unserem letzten Tag klappern wir noch ein paar Sightseeing Spots, wie die Statue von Amir Timur und das „Hotel Usbekistan“ ab. Unser Ziel am späten Nachmittag unseres letzten Tages hier: das Plov Center. Plov ist hier das Nationalgericht und besteht aus Reis mit Fleisch und Gemüse. Im Plov Center wird es in riesigen Töpfen gekocht und man kann zusehen, wie es zubereitet wird. Leider ist bei unserer Ankunft der Riesen Topf bereits verputzt. Wir können trotzdem noch eine Portion aus einem kleineren Topf ergattern und machen uns hungrig darüber her. Mit einem frischen usbekischen Brot schmeckt es herrlich.

Zum Sonnenuntergang geht es für Roman noch hoch hinaus. Er besteigt den Fernsehturm. Ich bevorzuge es festen Boden unter den Füßen zu haben und warte lieber auf ihn.


Taschkent ist anders als wir erwartet haben. Jetzt geht es für uns weiter ins Fergana Tal.


P.S. Die Nüsse haben wir abends in der Unterkunft mit Hilfe einer Knoblauchpresse geöffnet bekommen. 🙂