Buchara - ein kleiner Touristentraum
Entspannte 2,5 Stunden Zugfahrt liegen hinter uns. Der Bahnhof in Buchara liegt sehr außerhalb und ein Yandex zu bekommen ist gerade äußerst schwierig. Zum Glück haben wir Zeit. Wäre nicht der kleinere Rucksack, der unsere Schultern immer wieder auf die Probe stellt. Aber den kann man ja zum Glück abstellen. Und so warten wir bis 20 Minuten später ein grüner Chevrolet Sparks vorfährt und uns einsammelt. Der Fahrer ist äußerst nett und bemüht und versucht mit seinen paar Brocken English mit uns ins Gespräch zu kommen.
An unserem Hotel lässt er uns raus und verabschiedet sich. Aber wo ist unser Hotel? Hier zumindest nicht. In Usbekistan haben wir öfter das Problem, dass wir bei Booking nicht die richtige Adresse angezeigt bekommen. Hier auch nicht. Bei der Anzeige über Google Maps wurde ein Punkt in Buchara angezeigt. Und da stehen wir jetzt. Zum Glück war es auf dem halben Weg zum Hotel und mit dem zweiten Taxi erreichen wir dieses auch.
Für die Stadt haben wir nur wenig Zeit eingeplant. Nach 1,5 Tagen geht der Zug weiter nach Khiva.
Wir sind beide müde vom Besichtigen diverser Gebäude und so entscheiden wir uns, nur ein wenig durch die Stadt zu schlendern und am nächsten Tag eine Free-Walking Tour zu machen, um mehr über die Stadt zu erfahren.
Buchara hat eine zentrale Altstadt, in der sich alle Sehenswürdigkeiten tummeln. Hier wurde in letzter Zeit unfassbar viel gebaut und renoviert. Das merkt man auch direkt an den Preisen der Restaurants. Diese sind deutlich höher, als in den Restaurants, in denen wir sonst gegessen haben.
Insbesondere die Dunkelheit lässt die Stadt nochmal in einem ganz anderen Glanz erstrahlen, den wir noch ein wenig genießen.
Am nächsten Tag setzen wir unsere Erkundungstour fort.
Unser erstes Ziel: ein Friseur. Roman hat nach 4 Wochen mal wieder dringend einen Haarschnitt nötig. An seiner Stelle wäre ich aufgeregt, denn der Friseur entscheidet, ob er die nächste Zeit dämlich aussieht oder nicht. Ein gewagtes Vorhaben wie ich finde. Roman sieht da weniger Probleme und lässt sich auch noch prompt den Bart stutzen. Nach einer halben Stunde sieht er wieder ganz passabel aus. Der Bart ist akkurat gestutzt und auch die Frisur kann sich sehen lassen. Feuerprobe bestanden.
Vor der Free-Walking Tour machen wir uns auf den Weg zum Ark, der Zitadelle der Stadt. Wir sind auf der Suche nach einem ganz besonderem Platz: den Kerker, in dem zwei Engländer gefangen waren. Ein Hauptmann,der von Queen Victoria nach Buchara geschickt wurde um einen Freundschaftsvertrag mit England zu unterzeichnen machte drei Fehler, die in letztendlich das Leben kosteten:
1. Ritt er mit seinem Pferd komplett durch die Zitadelle, was nur dem Emir erlaubt war,
2. brachte er kein Geschenk mit – keine gute Idee und
3. kehrte er dem Emir den Rücken zu.
Genug Gründe für den Emir ihn in ein 6 Meter tiefes Verlies zu stecken, in das man von oben auch Schlangen und Skorpione schmiss. Dort saß er vier Jahre lang, bis die Queen einen zweiten Gesandten schickte, der ebenfalls verhaftet wurde. Beide wurden hingerichtet.
Wie sich herausstellt, befindet sich der Kerker nicht auf der Zitadelle sondern im Gefängnis daneben. Das finden wir aber erst heraus als es schon zu spät ist den Kerker zu besuchen. Auch den wunderschönen Ausblick von der Zitadelle können wir nur kurz genießen, denn Hamza unser Guide wartet schon auf uns.
Hamza erklärt uns, dass ein paar Gebäude noch aus der Zeit vor dem Einfall der Mongolen sind. Hierzu zählt auch die Magoki Attori Moschee. Die Einwohner hätten sie laut unserem Guide im Sand begraben, damit sie nicht den Mongolen zum Opfer fällt. Auch das Kalon Minarett hat den Einfall überstanden. So heißt es in einer Legende als Dschingis Khan vor dem Minarett stand wäre ihm der Hut vom Kopf geweht worden. Als er sich bückte, um ihm aufzuheben bemerkte er, dass er sich vor dem Minarett verbeugt hatte. Da er sich noch nie vor etwas verbeugt habe, beschloss er, das Minarett nicht zu zerstören.
Wie überall in Usbekistan befinden sich in Buchara noch unzählige Koranschulen, die sogenannten Medresen. Zu unserer Überraschung erfahren wir, dass Taliban übersetzt Schüler heißt. Wir erfahren auf der Tour, dass es den Usbeken verboten ist, Kinder vor dem 18. Lebensjahr in Religion zu unterrichten. Sollten die Behörden feststellen, dass man dies zu Hause tut, kann es sogar sein, dass einem die Kinder abgenommen werden. Man habe hier unglaubliche Angst vor einer Radikalisierung. Dennoch gibt uns unser Guide zu verstehen, dass die Medresen sehr gute Schulen sind, die nicht darauf ausgelegt sind zu Radikalisieren und dass er jederzeit seine Kinder dorthin schicken würde.
Vorbei an verschiedenen Markthallen und dem großen Bazar, der schon geschlossen hat, endet unsere Tour am Mausoleum des Ismail Samani. In Tadschikistan wird er als Vater des Vaterlandes verehrt.
Trotz des kurzen Einblicks hat uns Buchara gut gefallen, auch wenn der Teil Usbekistans wesentlich touristischer ist als Samarkand oder Taschkent.
