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Samarkand

Samarkand, die Perle der Seidenstraße. Der Höhepunkt einer jeden Zentralasien-Reise. Für uns bedeutete diese Stadt jedoch zunächst eines – ein Ruheort, um unsere Erkältungen auszukurieren. Unsere beiden empfehlenswerten Ferienwohnungen befanden sich nicht nur im gleichen Gebäude, sondern auch in unmittelbarer Nähe zum Registan. Dem Markenzeichen Usbekistans. Und mit unmittelbarer Nähe meinen wir auch unmittelbar. Jeden Abend war es von den Wohnungen aus möglich, sowohl die Lichter- als auch die Lasershow mit den Ohren mitzuverfolgen.

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Lasershow am Registan

Fünf Tage verbrachten wir in Samarkand, ohne auch nur etwas nennenswertes unternommen zu haben. Am Samstag startete dann, zwar immer noch verschnupft, unsere Stadterkundung. Samarkand bietet einige lohnenswerte Sehenswürdigkeiten rund um den usbekischen Helden Amir Timur. Dieser befreite das heutige Usbekistan aus den Händen der Mongolen. Der auch im Westen bekannte Dschingis Khan hatte das Gebiet im 12. Jahrhundert unterjocht. Nach zwei Jahrhunderten Fremdbestimmung brachte Amir Timur das heutige Usbekistan im 14. Jahrhundert unter seine Herrschaft und begründete mit den Timuriden eine eigene Dynastie. Samarkand wurde seine Hauptstadt. Der Glanz dieser Epoche ist heute noch deutlich zu sehen. Nirgends sonst auf unserer Reise durch Usbekistan fanden wir mehr Fliesen, Mosaike und Ornamente in den unterschiedlichsten Blautönen. Kein Wunder, nahezu jedes Gebäude ist einem Familienmitglied Amir Timurs gewidmet.

Die Bibi-Khanum Moschee ist der Legende nach von der Lieblingsfrau Amir Timurs, als Zeichen ihrer Liebe zu ihm, erbaut worden und galt zur Zeit ihrer Erbauung als größte Moschee weltweit. Dies verwundert nicht, fühlt man sich doch winzig klein, wenn man im imposanten Eingangstor dieser Moschee steht.

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Innenhof der Bibi-Khanum Moschee
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Blick aufs Minarett

Das Ulug‘bek Observatorium erreicht man über zwei Treppen. Am Ende der einen Treppe befindet sich das Kassenhäuschen. Am Ende der anderen Treppe befindet sich kein Kassenhäuschen. Spar-High-Five, dass wir die andere Treppe genommen haben. Den Eintritt konnten wir uns sparen. Das Observatorium an sich ist heute nicht mehr vorhanden. Der Sohn von Ulug‘bek, der im Übrigen ein Enkel Amir Timurs war, verachtete die wissenschaftliche und künstlerische Art seines Vaters und ließ ihn hinrichten. Das Observatorium zerstörte er. Einzig die Sextante ist heute noch vorhanden und lässt sich besichtigen.

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Die kostenlose Treppe
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Eingang zur Sextante
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Sextante

Samarkand, die ganze Stadt ist der Familie des Nationalhelden gewidmet. So verwundert es nicht, dass auch seine Nebenfrauen entsprechende Mausoleen erhalten haben. Das sogenannte Ensemble haben wir uns für die Zeit der Dämmerung aufgehoben. Wie sich herausstellen sollte, haben wir hiermit alles richtig gemacht. Das Ensemble, Shah-i-Zinda genannt, war einfach fantastisch. Gleich zu Beginn kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Mausoleum schöner als das andere. Aber am besten war das Zusammenspiel aller. Ein wundervoller Ort um die Schönheit der usbekisch-islamischen Kultur zu genießen. Viel zu schnell wurde es dunkel.

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Ensemble Shah-i-Zinda
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Ausblick auf Samarkands Altstadt

Der letzte Tag in Samarkand war dann Amir Timur selbst gewidmet. Sein eigenes Mausoleum durfte natürlich nicht fehlen. Ein Traum aus weiß und gold. Die kleine, mit einer blauen Kuppel überdachten Halle, in der sich sein Grab befand war in gedämpftes Licht gehüllt und ließ die hübschen Verzierungen an den Wänden und der Decke entsprechend prächtig und majestätisch zur Geltung kommen. In den 35 Jahren seiner Herrschaft hatte er es geschafft, sich zum Volkshelden der Usbeken zu machen. Eine Blütezeit der Künste konnte unter seiner Macht erreicht werden.

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Grabstätte Amir Timurs
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Der Registan im Herzen Samarkands ist die Vollendung dessen. Der Platz, der ursprünglich als Basar genutzt wurde, wird von drei imposanten Medresen begrenzt. Medrese bedeutet aus dem arabischen übersetzt „Ort des Studiums“. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Orte des Lernens und Wissens an dieser Stelle, inmitten von Amir Timurs Hauptstadt, befinden. Der Registan ist insgesamt ein beeindruckender Ort, der zwar der Höhepunkt einer jeden Usbekistan-Reise sein sollte, jedoch nicht das einzige Highlight dieses noch so unbekannten Landes ist.

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Wir auf dem Registan Platz

Spannender Fakt über den Nationalhelden:

 

Der Legende nach befindet sich ein Fluch über der Grabstätte Amir Timurs. Hiernach heißt es, dass wenn er von den Toten aufersteht, werde die Welt erbeben. Sowjetische Archäologen öffneten dennoch am 21.06.1941 sein Grab und überführten die sterblichen Überreste nach Moskau. Einen Tag später, marschierte die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Im Dezember 1942 befahl Stalin, die Überreste nach Samarkand zurückzubringen. Kurz darauf konnte die sowjetische Armee die erste Schlacht in Stalingrad gewinnen, wodurch der Krieg eine entscheidende Wendung nahm.